Gedichte

Zum Ekel

Ich habe Ekel vor dem Ekel.
Und ich habe Angst vor dem Ekel.

Angst, weil der Ekel die Kraft ist,
die uns voneinander weg treibt
uns auseinander fremdet

uns von unserem instinktiven Glück entfremdet.

Ich habe Angst vor dem Ekel,
und wenn wir in der Überwindung des Ekels hin zur Natürlichkeit sind,
dann kann ich lachen.
Ich kann lachen, wenn ich „Feuchtgebiete“ lese!
Herzhaft lachen, denn es befreit.
Und es vereinigt.
Tut gut.
Instinktiv.
Natürlich.

Ja, da ist eine Kampfeslinie:
Zwischen denen, die Natur als echt fühlen
und denen, die von ihr entfremdet amoken –
oder eine Elaborierungsebene höher sie als Konstrukt herschreiben – wie in der Phase2.

Ist deren Zerschreiben das Gegenteil von Radikalität?
Ist deren Zerschreiben nicht aus einem ganz tiefen Ekelgefühl gespeist?
Und damit vielleicht der Beweis, dass Ekel ein Naturinstinkt ist.
Dass Natur auch in ihren Dekonstruierern wirkt – aber hin zu einer Isolierung
                                        Vereinzelung
                                Entfremdung
            und damit wieder zum Faschismus.

Ekel ist das Gefühl fürs Fremd(e)-Machen.

Ohne Ekel gibt es keine Fremden und nichts Fremdes
                                  nichts Fremdartiges
                                        nichts Abartiges
                                            nichts Perverses.
Es gibt unser Begehren!
Es gibt die Wunsch-Maschinen, wenn du sie so benennen willst!
Es gibt Themroc!
Und es gibt den Geist der Situationisten, der in ihm sprüht!

Wilder Wahn und Anarchie

Bei wildem Wahn-Sinns-Wetter

mit wehendem Haar

auf die Straße treten,

ohne Schuhe an den Füßen

- vielleicht ohne gar kein Textil –

Octavarium im Ohr

und am Himmel ein energiegeladen-psychedelisches Traum-Theater:

Tiefblaue Wolken vor goldgelber Sonne

und Lenkdrachen im Wind,

der durch funkelnd glitzernde Baumkronen pustet,

die in Kinderhänden gehalten

Kinder-Sinne empfangen,

wie sie in fruchtreifem Bewusstsein

barfuß durch die Straßen schreiten, gleiten -

ohne abwertend angeschaut zu werden

von denjenigen, die still laut fragen,

welche Drogen in ihm stecken

(Die Droge heißt Leben, verdammt!)

und in ihm berechtigte Ängste wecken,

genauso leise-laut unbemerkt

die Polizei loszuhetzen,

auf das sie diesem Moment des Fliegens

mit Staatsgewalt ein Ende bereiten müsse.

Ungestört fliegen können -

das ist Anarchie;

so einen Augenblick zerstören zu wollen,

statt in die Tiefe zu strömen lassen –

das ist Herrschaft;

in der Tiefe wahrnehmen zu müssen,

dass sie ungenützt ihre Freiheit1 dazu vorbeiziehen lassen,

die Gegenwart des Lebens nicht weiter vorbeiziehen zu lassen2 –

das ist Angst;

herrschaftsgebärende Angst

gegen glückseligkeitserzeugende Gefühls-Wirbelstürme…!

Wer eins ist mit der Natur IST auch eins mit dem Menschen.

Ist es frevelhaft, solche Gedanken mit mechanischen Mitteln festzuhalten,
sie in virtuelle technische Welten zu gravieren,
wo sie doch eigentlich die höchste Bündelung der Natur darstellen.
Ein Sonnenuntergang, schöner noch als alles noch was früher war,
kein reiner kahler Himmel, sondern ein ganz sanfter Wolkenschleier –
dahinter zwei, drei (Zahlen, widerspricht ihre Rationalität nicht jeglichem lyrischen Ausdruck?) kleine lilablaue Tupfen voller schwerer Regentröpfchen,
darüber weißgelb strahlende Striche, erst dichte dünne Kabel, dann Seile, Taue, wuschelige Wollschals, Federn, letztendlich nur noch ein Schleier schimmernder Tröpfchen, von der halb hinter den Hügeln der Stadt verschwundenen leuchtendroten Sonne zum Glänzen gebracht.
Striche, von fliegender Technik am Himmel angebracht, also doch von Menschen gemacht.
Doch eins mit der Natur: der Sonne, welche die Skelette der Laubbäume auf das Auge des Betrachters projiziert, an den riesenhaften Silhouetten der Nadelbäume noch kurz hängen bleibt. Bäume, vom Menschen in seinem Magnetismus zur Natur zwischen die das ganze Puzzle ausfüllenden Tangramm-Winkel der Dächer, die Maschen des Straßennetzes, die Drähte der Beleuchtung, die krummen Metallstangen mit spielenden Ampellichtern, die viele fahrende parallele Lichter, weiße und rote, bestimmen, hingesetzt, wachsen gelassen hinein in den Abendhimmel.
Ich stehe auf einer Brücke, vor meinem Gesicht ein Draht und eine noch untätige große Truhe mit elektrisch erleuchtbarem Gas und mattem lichtstreuenden Glas, unter mir eine Ader, durch die in beständiger Reihung brummende Kisten rollen, deren Insassen unabhängig sein wollen – mein Untergrund vibriert, wenn ein schwerer Lastwagen untendurch braust; würfelförmige Hochhäuser seitlich neben mir.
Darüber der Kontrast – ein Regenbogen von violett über einen roten Feuerball nach rotbraun-orange, gelblich schimmernden Wolken, weißgelb als Kontrast vor tiefem Blau; der Regenbogen, schräg betrachtet eine rotbraune Sandstein-Klippe im Sonnenuntergang vor dem unendlichen Blau, das Blau, eine sanft gewölbte Kuppel der Geborgenheit und doch ein Symbol von Freiheit, einssein, fliegen.
Wie das Flugzeug, das einen waagrechten Strich durchs Bild gezogen hat,
ein Strich, in seiner Auflösung zackig gerändert,
wie die Zacken eines Reißverschlusses,
der die Gegensätze von menschlicher Technik und Natur miteinander verwebt.
Am Horizont verschwimmen die Dächer der Stadt
mit den Hügeln der Erde, mit den Wolken der Luft.
Ist es eine Fernsehantenne (mit all ihren durch sie geweckten hässlichen Assoziationen)?
Oder ist es einer der kleinen lilablauen Tupfen-Wolken?
Oder ist es eins?