Symptomatisch für zivilisatorische Arroganz

Soeben blätterte ich in der Uni-Bibliothek in einem / dem wichtigsten Buch von Karl Polanyi, einem Wirtschaftswissenschaftler: „The great transformations“.
Dazu hab ich mich in die Höhle der Wirtschaftswissenschaftler begeben, ihren Bibliotheksbereich. Und eine Ausgabe dieses Klassikers rausgezogen, die jemand anderes mit Unterstreichungen versehen hat… und mit zwei Seiten Durchstreichungen..! – Ich dachte bei der ersten Seite, es wäre vielleicht ein zufälliger Bleistift-Ausrutscher. Aber dann wollte ich mal testen, was derjenige denn da zufällig oder absichtlich durchgestrichen hat: Und alle Zweifel lösten sich in Wut auf, als ich sah, dass es ein Abschnitt über das wilde nomadische „Wirtschafts“system der Aborigines war, ihre Art der Ockersuche und die, auch konflikthaften Auseinandersetzungen, mit anderen Stämmen, die aber einen gewissen Markt-Archetyp aufweisen. (vgl. Polanyi 1944, S. 91f). Auf der zweiten durchgestrichenen Seite wurde das Prinzip noch anhand der Buschleute Afrikas erläutert. Die Durchstreichungen wichen erst wieder den Unterstreichungen, als es wieder um die Messen Europas, Englands Stapelplätze und westeuropäischen Binnenhandel ging.

2 mal 2 Striche, aber sie zeigen so deutlich die Arroganz, die ich überall spüre: Dass ein, vermutlich, spießiger Wirtschaftsstudent sich erdreistet, in einem Klassiker zwei Seiten durchzustreichen, zeigt so deutlich und klar, dass in der etablierten Wirtschaft alle Formen von indigenem „Wirtschaften“ bzw., allgemeiner gesagt, von materiellem Interagieren / Kommunizieren mit Herablassung und Marginalisierung betrachtet werden, dass jedem sensiblen Menschen echt die Wut vom Bauch in die Fäuste oder Tasten pulsieren muss.
Ich habe das schon in der Schule gespürt, als ich in der vierten Klasse beim Thema „Arm / Reich“ meinte, dass es ein Unterschied ist, ob Indianer wenige oder Firmen viele Bäume abholzen, dass nur rumgeulkt und gelacht und stereotype Geräusche gemacht wurde. Okay, es gibt schon eine gewisse Komik in dem Widerspruch von indigenem und zivilisatorischen Leben, so wie in allen Konflikten eine Komik steckt, die nur oft kaum jemand bemerkt – in diesem Fall aber scheint vor allem niemand vor lauter Komik den Ernst der Lage zu sehen, dass die Zivilisation jeden Tag weiter mordet und den Planeten zerstört sowie das Leben derer, die einen weniger zerstörerischen Weg gehen.

Vielleicht bin ich auch gesegnet mit besonderen Erlebnissen, wie Teenagerkursen im Völkerkunde-Museum oder Bekanntschaften mit Leuten, die wirklich bei Indigenen lebten, aber warum mir das auffällt, ist eigentlich zweitrangig davor, dass es wichtig ist, dass mehr Leuten das auffällt, wenn in etablierten Kreisen (oder auch bei aufstrebenden Jugendlichen) abwertend mit den Begriffen „Urmensch“ oder „Wilder“ umhergeworfen wird, zum Beispiel bei der Beurteilung von Menschen nach ihrem Äußeren, dass dies in einem größeren wirtschafts- und auch gewaltpolitischen Zusammenhang steht, der tief in die Köpfe, auch die rauchenden einer Bibliothek, ragt.

PS.: Ein weiteres Beispiel für die selbe Arroganz ist das Abtun von Wagenplätzen und anderen „Halbinseln gegen den Strom“ als nicht ernst-zunehmender Akteure der Stadtentwicklung, wie ich es bereits von einem Dozenten bei einem Stadtgeographie-Referat vorgehalten bekam – einfach, weil diese im Kapital- und Machtvergleich weitab der etablierten Strukturen rangieren.

Valentinstag 2012

Aus dem Bus gestiegen und tatsächlich den beiden Jurastudenten mit den fetten Jacken ausgewichen – und gefühlt entkommen.
Einer mit fast 2 Metern und einer in meiner Größe setzten sich in meinen Vierer, wo ich Musik hörte und einen Flyer über Solidarische Landwirtschaft las und ein Platz von meiner Kraxe belegt war. Sie waren straff und zügig und wummten in den leeren Platz, als wäre er schon immer ihrer gewesen. Steckten ihren Studiausweis in die Levis-Jacke und unterhielten sich über irgendwelche Anklageerhebungen. Mit ihren gelackten Mündern in gelackten Gesichtern unter gelackten Haaren.

Ich hatte zum Glück die laute Musik, um meine Kraft weiter zu spüren, aber ich fühlte schon, wie meine Bewegungen, die wenigen, die ich machen musste, steifer und verkrampfter wurden. Und auch meine Mimik genauso hart wurde wie die ihrige. Bloß keine Schwäche zeigen, bloß nicht zum Opfer werden, durch zum Beispiel lasches Dasitzen ihrem Bild des Schlawiners entsprechen, das sie meiner Kleidung entnehmen. Will ihnen zeigen: Egal, was ihr äußerlich seht, vergesst es, euren Gehabekampf gegen mich zu gewinnen, denn ich bin auf ner anderen Ebene viel stärker und diese Ebene wird irgendwann mal wichtiger sein als eure.

Es gibt dann aber zugleich auch so einen Moment, wo ich das Gefühl habe, alles ist falsch. Und wenn mir jemand in diesem Moment seine Liebe ausdrückt, ich kann es dann einfach nicht glauben. Und dann verstehe ich auch, warum ein Kampf dagegen keinen Sinn mehr macht, dass das Kommunegefühl, was für mich Kommunegefühl ist, immer weiter zurück in die Vergangenheit rückt oder mit zunehmendem Alter sich zunehmend Optionen schließen. Und die eigene Unzulänglichkeit, gegen diese fettjackigen Jurastudenten was auszurichten, niemals enden wird.

Wenigstens in ne Kiwi beißen oder löffeln, das tröstet noch ein klein wenig, mhhh..

Nachtrag: Unzulänglichkeit heißt vor allem, sich nicht gegen die Verurteilung durch andere wehren zu können, wenn diese den Willen zum Verurteilen haben. (Oder ist es Be-Urteilen? Wo ist der Unterschied?) Oder verurteilen mich diese anderen gar nicht wirklich und ich bilde mir das ein, weil ich selbst diese anderen und mich verurteile? (oder be-urteile?) Gegen letzteres spricht immerhin, dass man die Tatsächlichkeit von deren Verurteilen in Betriebszeugnissen, Arbeits-Beurteilungen oder bei Bewerbungen um Jobs, Stipendien, Fördermittel ganz klar spüren kann, überall wo es um Partizipation am Mehrwert oder allgemeiner gesagt um „Access to Possibilities“ geht.
Ich würde vermutlich genauso handeln, wenn ich Kapital hätte, aber aus den genannten Gründen verfüge ich über keins. Und ich würde auch eher diejenigen partizipieren lassen, die sich durch hohe Kreativität und Reflexivität und, entscheidend, den Willen zur Veränderung und nicht zur Erhaltung des Bestehenden auszeichnen – vor allem zur Veränderung des Systems der Verurteilungen, welches weit in die Prozesse und tief in die Körper reicht: Die Art, sich zu schniegeln und zu striegeln ist eine Verurteilung der inneren wilden Natur; die Art, übereinander statt miteinander zu reden; die in der psychiatrischen Beurteilung essentielle Fremdbeurteilung; natürlich die Verurteilung durch Justiz und Staat ganz allgemein, schon durch die Polizei bei der Wahl ihrer „Personenkontroll“-Opfer; bei der aus zivilisatorischer Schwarmintelligenz „gefällten“ Entscheidung, wer „in“ und „out“, wer drinnen und wer draußen ist…
zum Beispiel ist niemand drinnen, der über unkonventionelle Motorik oder so verfügt.. und die Art, in welchen Situationen man aufmerksam sein kann und wann nicht – nun, das treibt mich auch an meine Grenzen – ich kann es nur, wenn es etwas neues zu erkennen gibt, aber es fällt mir zunehmend schwerer, sobald zwischen Erkennen und Handeln organisatorische Zwischenschritte eingefügt werden…

Wenn Al Gore es als die „globale Mission unserer Generation“ (siehe u.a. Weber, Cynthia
2010, S. 190) betrachtet, dass wir den Klimawandel aufhalten und dies als die einmalige
Chance einer Generation beschreibt, endlich alle gemeinsam an einem gemeinsamen Projekt und
lebenswichtigen Ziel zu arbeiten, warum wird dann nicht in logischer Konsequenz von allen
gemeinsam begriffen, dass es dann auch unsere aller gemeinsame Aufgabe sein muss, nicht mehr
zu arbeiten oder zumindest nicht mehr, als für die unmittelbare Umsetzung unserer
Begehrnisse und damit verwobener Erkenntnisbegehrnisse notwendig sind – und die ganzen
Organe und Organisiertheiten, die als Zwischenschritte den Hauptteil zwischen den eigentlich
nur nötigen Einleitungen und Schlüssen bilden und die im Wesentlichen Müll zur Produktion
von Müll sind, auch aus Gründen der Müllvermeidung wirklich zu vermeiden. Keine
„Verschlankung“ im Sinne des Rausschmisses von Menschen aus dem Produktionsprozess, sondern
eine Entschlackung im Sinne des Rausschmisses von Arbeit aus dem Produktionsprozess. –
siehe: unter vielem anderem: Dante, Darwin: Die 5-Stunden-Woche

Es geht weiter, auch im Sommer 2013:

Zwei Prolls mit halbverfaultem Gesicht und halbvoller Bierflasche mittags um drei vor dem Reudnitzer Kaufland, so dass ich es hören kann: „Eh, ich dachte erst, das wär ne Frau.“
„Du hast ja nen viel zu kleinen Pulli an…“
„Buuahhh!“ Einer springt schreiend auf die Taube einen Meter neben mir zu.
„Eh, hast du Elefanteneier?“ wegen meiner Pluderhose.
„Schäm dich.“
Sie laufen weiter.
Und werden dies hier wohl niemals lesen.
Ist das ein faschistischer Übergriff, der in die Antifa-Doku gehört?
Nun, ich kann mir Hose und die Haare selbst aussuchen, die Hautfarbe nicht. Würde ich wegen meiner Hautfarbe angemacht werden, könnte ich mir nur noch den Ort aussuchen, wo dies nicht so oft geschieht. Aber es geschieht fast überall, nicht nur in Leipzig, nicht nur im Osten.
Aber erstaunlicherweise ist es mir außerhalb Deutschlands bisher kaum geschehen, obwohl ich in Spanien oder Ungarn genauso aussehe.

Zum Ekel

Ich habe Ekel vor dem Ekel.
Und ich habe Angst vor dem Ekel.

Angst, weil der Ekel die Kraft ist,
die uns voneinander weg treibt
uns auseinander fremdet

uns von unserem instinktiven Glück entfremdet.

Ich habe Angst vor dem Ekel,
und wenn wir in der Überwindung des Ekels hin zur Natürlichkeit sind,
dann kann ich lachen.
Ich kann lachen, wenn ich „Feuchtgebiete“ lese!
Herzhaft lachen, denn es befreit.
Und es vereinigt.
Tut gut.
Instinktiv.
Natürlich.

Ja, da ist eine Kampfeslinie:
Zwischen denen, die Natur als echt fühlen
und denen, die von ihr entfremdet amoken –
oder eine Elaborierungsebene höher sie als Konstrukt herschreiben – wie in der Phase2.

Ist deren Zerschreiben das Gegenteil von Radikalität?
Ist deren Zerschreiben nicht aus einem ganz tiefen Ekelgefühl gespeist?
Und damit vielleicht der Beweis, dass Ekel ein Naturinstinkt ist.
Dass Natur auch in ihren Dekonstruierern wirkt – aber hin zu einer Isolierung
                                        Vereinzelung
                                Entfremdung
            und damit wieder zum Faschismus.

Ekel ist das Gefühl fürs Fremd(e)-Machen.

Ohne Ekel gibt es keine Fremden und nichts Fremdes
                                  nichts Fremdartiges
                                        nichts Abartiges
                                            nichts Perverses.
Es gibt unser Begehren!
Es gibt die Wunsch-Maschinen, wenn du sie so benennen willst!
Es gibt Themroc!
Und es gibt den Geist der Situationisten, der in ihm sprüht!

Tabellarische Grundthesen einiger Aspekte eines -doch- militanten Plateau-Buchs

These: Es gibt einen Gegensatz zur und einen Ausweg aus der Macht, wie Foucault sie beschreibt, und dies besteht im Nomadentum.

Die Macht gehört zu allen sesshaften Gesellschaftsformen, nicht jedoch zu den nomadischen.

Der Gegensatz von Nomadentum und Sesshaftigkeit zieht sich durch alle Bereiche der Gesellschaft(1), der Geschichte (2) sowie durch jedes „Individuum“/durch jeden Menschen (3).

In der gegenwärtigen Gesellschaft lassen sich verschiedene Verhältnisse von Nomadentum und Sesshaftigkeit ausmachen:

Nomadentum, welches der Sesshaftigkeit dient:
am „unteren Ende“: „Jobnomaden“, die auf eigene Faust / Finanzierung für geringbezahlte Jobs durchs Land reisen (müssen).
Am „oberen Ende“: Geschäftsleute, die meist kollektiv finanziert (Firma, Staat,…) für gut bezahlte und einflussreiche Tätigkeiten global reisen. („Die Mitglieder dieses High-Tech-Nomaden-Stammes haben miteinander mehr gemein als mit den Bürgern der Länder, in denen sie ihre Geschäfte abwickeln.“ André Gorz: Arbeit zwischen Misere und Utopie. S. 16))
Feste: Oktoberfest, Ballermann6 und andere kontrollierte, dem Erhalt des „zivilisatorischen Betriebs“ dienende Ausbrüche

Sesshaftigkeit, die dem Nomadentum dient:
am „unteren Ende“: subversives Abschöpfen staatlicher oder unternehmerischer Mittel für nomadische Kollektivitäten [oder Individualitäten, was allerdings anders zu bewerten ist]
am „oberen Ende“: Ausstiege prominenter „Leistungsträger“ aus der Zivilisation (z.B. Hans Pestalozzi, …) oder selbstgewählte Umverteilung nach unten (Götz Werner u.a.)
Feste: Festivals und Demonstrationen und Kongresse, aus denen Netzwerke nomadisch lebender Menschen hervorgehen können.

Kollektives Nomadentum: alternative Gesellschaftsnetze, aber auch teilweise organisierte u. a.
Individuelles Nomadentum: Kleinkriminalität, …

Recht auf Nomadentum??? wird derzeit unterlaufen
-Bsp: http://www.heise.de/tp/artikel/35/35700/1.html
- Zygmunt Baumann: „globalisierte Reiche und lokalisierte Arme“ (Gegenbewegungen dazu werden systematisch repressiv behandelt: PGA, dissent!, …) ; schlimmes Ungleichgewicht: „Jene überwinden den Raum und haben keine Zeit, diese sind an den Raum gefesselt und müssen ihre Zeit, mit der sie nichts anfangen können, totschlagen.“

Felder des Liebens

Wie können wir die Ambivalenz der Zivilisation zwischen einerseits Befreiung – von Notwendigkeiten der Natur – und andererseits Zerstörung – von Notwendigkeiten von Notwendigkeiten der Natur1 – zugunsten der Befreiung entscheiden?

Wie können wir die Eigenschaften der Zivilisation „das Grobe sanft, das Grausame gütig, das Ungehobelte gesittet“ zu machen (Baumann 1998, 38) noch viel weiter fördern und jene Eigenschaft, die Natur im Individuum zu unterdrücken, im Kollektiven auszubeuten und im Restlichen zu verwüsten2, schnellstmöglich abschaffen?
Wenn wir mit Baumann, Elias, Foucault etc. etc. davon ausgehen, dass Angst, Sicherheits- und Kontrollbedürfnis die tiefenpsychologischen Grundlagen des Zivilisationsprozesses bilden und mit Fromm davon ausgehen, dass Liebe tatsächlich einen Gegenspieler zur Angst, Sein tatsächlich einen Gegenspieler zum angstbedingten und zivilisationsbedingten Haben bildet, müssen wir den Feldern des Habens und der Angst Felder des Seins und des Liebens entgegensetzen. Implizit bestehen diese Felder seit Anbeginn der Zivilisation in Kunst, Spiritualität, Spiel; allerdings allesamt in dem Raum der Ideen, der Metaphysik, der Phantasie und zeitlich begrenzt, sprich: nicht in der Sphäre des Ökonomischen, Materiellen, Existenziellen. Dies muss in dem Maße geändert werden, wie die Zivilisation mit der Zerstörung der Natur genau jene Unsicherheit wiedererweckt, gegen die sie entstanden ist. Die Angst erzeugt das Haben zerstört das Sein erzeugt die Angst.
Aber: Die Fortschritte der Zivilisation bringen auch die sanften, gütigen, „gesitteten“ Seiten hervor – als Nebenprodukt zur Bewältigung, zur Reflexion des Habens. Diese Seite beeinflusst die andere, wachsend mit der zunehmenden Ausdifferenzierung einer Zivilisation und damit evolutionär-automatisch mit zunehmender Zeit wachsend – es sei denn ein Krieg unterbricht diesen Prozess und lässt ihn von vorn beginnen. Mit dem wachsenden Einfluss des Nebenprodukts „Sein“ auf das Zielprodukt „Haben“ werden die Ängste selbst metaphysischer, verlagern sich von der Angst vor der Natur auf die Angst vor der Zivilisation, von der wilden äußeren Umwelt in die wilde innere Seelenwelt. Da die Ängste offensichtlich immer weniger existenzielle Ursachen außerhalb ihrer selbst haben und die Angst selbst immer mehr zur Ursache von Unsicherheit beim Individuum, von Ausbeutung der Umwelt und jetzt auch noch von Zerstörung der Umwelt wird, kann eine Überwindung der kommenden existenziellen Bedrohung nur durch eine Überwindung der Angst erfolgen.
Es gibt bereits Heterotopien, in denen nicht mehr Angst, sondern Liebe die Dimensionen Zeit und Raum beeinflusst: Rainbow-Gatherings, Goa-Partys, manche Aspekte von Kommunen oder einfach Ausdrücke von Lebenskunst. Es sind Orte, an denen die Interaktion zwischen Menschen und zwischen Mensch & Umwelt nicht die größtmögliche Sicherheit vor Angst anstreben, sondern die größtmögliche Liebe anstreben, wodurch der primäre Unterschied zur restlichen Zivilisation entsteht, dass alle Interaktionen das größtmögliche Vertrauen der Interaktionspartner nicht zum Mittel, sondern zum Zweck haben. Es geht zum Beispiel darum, alles Wissen von Anderen (Mensch wie nicht Mensch) primär zur größtmöglichen Entfaltung dieses jeweiligen Anderen zu verwenden wie zu verknüpfen und naturbedingte Konflikte um Ressourcen in größtmöglicher Kommunikation zu lösen und im Idealfall aus diesem Kommunikationsprozess heraus die Interessen gemeinsam so zu präzisieren, dass am Ende keine konfligierenden Interessen mehr vorliegen.
Beispiel: Zwei Männer lieben die selbe Frau (oder andersrum) und freunden sich untereinander so an, kommunizieren so tief und ehrlich, dass sie selbst bemerken, wer wen mehr liebt und dementsprechend das auf einen Menschen projizierte Verlangen nach Liebe verändern oder vertiefen und die eigene Liebe eines Menschen sich transformiert von der erotischen Liebe an sie zu tiefer freundschaftlicher Liebe an beide und deren gemeinsames Glück.
Zwischen Fressfeinden ist diese Interaktion zwar schwieriger, aber kann selbstverständlich ebenfalls auf kommunikativere, liebevollere Weise als bisher erfolgen. Allerdings brauchen solche Verhaltensweisen auch die Möglichkeit, sich zunächst als Parallel-Gesellschaft auszubreiten und die Disposition offen zu halten, die gesamte Zivilisation zu „schlucken“ – denn die Prozesshaftigkeit gibt der Zivilisation selbst auch immer einen schluckenden bzw. integrierenden Charakter, weshalb allein schon zum blanken Überleben dieser Parallel-Gesellschaft diese eine Schluck-Disposition in ihrem Charakter benötigt. Da diese Schluck-Disposition allerdings nicht in dem drohenden Charakter des Raubtiers „Zivilisation“ erfolgen kann, hat sie den ansteckenden Charakter eines Parasiten. Die Parallelwelt muss durch Schönheit und Inspiration anstecken, da sie nicht mit Reichtum und Macht vereinnahmen kann, appelliert somit an die Hingabe anstatt an die Aktion (Interpassivität??)

Gesellschaft der Lebenskunst braucht die Absicherung der Zivilisation, die sich aber endlich auf das Individuum überträgt, das in Freiheit statt Angst leben kann und dafür auch das bedingungslose Grundeinkommen braucht – von dem ich mich ohnehin frage, aufgrund welcher Machtdispositive es denn nach so langen Diskussionen jetzt nicht langsam mal praktisch umgesetzt wird?

  1. [Nochmal klären, was mit „von Notwendigkeiten von Notwendigkeiten der Natur“ gemeint ist] [zurück]
  2. Das Restliche = Abfall, alte (Berg-)Baugruben, Atommüll, Abgase, Abwässer, Bauruinen, … auch nicht verwertbare Seelenteile gehören zum „Restlichen“ und Vernachlässigung lässt diese verwüsten [zurück]